Don Quixote – Jules Massenet
Oper in fünf Akten
Libretto von Henri Caïn
Orchester und Chor des Teatro alla Scala
Neue Produktion des Teatro alla Scala
Produktion der Opéra de Paris
Noch nie zuvor an der Scala aufgeführt, ist Don Quichotte Massenets vorletzte Oper, basierend auf Cervantes’ Roman in der Bearbeitung eines Theaterstücks von Jacques Le Lorrain, und wurde zwei Jahre vor dem Tod des Komponisten in Monte Carlo uraufgeführt. Damiano Michieletto versteht die Geschichte als Parabel über den Verlust von Illusionen und die soziale Isolation des Träumers und verlegt die Handlung in drei verschiedene Zeitmomente: die 1960er Jahre als Zeitalter der Erinnerungen, die 1990er Jahre als Ausdruck der Krise und die Gegenwart als Moment des Todes. Das Bewusstsein des Protagonisten ist erfüllt von Bildern, die durch Videoprojektionen dargestellt werden und Szenen seiner Vergangenheit mit grafischen Darstellungen seiner Obsessionen abwechseln. Alex Esposito verleiht dem hoffnungslos in die charismatische Gaëlle Arquez verliebten Protagonisten seine stimmlichen und darstellerischen Qualitäten. In seiner letzten Stunde bleibt nur Sancho, dargestellt von Giulio Mastrototaro, an seiner Seite – vielleicht der Einzige, dem wirklich etwas an ihm lag.
Inhalt
Erster Akt
Ein öffentlicher Platz vor dem Wohnsitz Dulcinées. Vier Verehrer Dulcinées singen ihr ein Ständchen. Dulcinée erscheint selbst und erklärt, dass es ihr nicht genügt, bewundert zu werden („Quand la femme a vingt ans“). Sie zieht sich zurück. Eine Menge kündigt das Nahen von Don Quichotte auf seinem Pferd Rosinante und seinen Knappen Sancho Panza auf seinem Esel an. Verzaubert von so viel Aufmerksamkeiten, befiehlt Don Quichotte seinem Diener, den Menschen etwas Geld zu geben. Nachdem die Menge sich zerstreut hat, singt Don Quichotte eine Serenade an Dulcinée („Quand apparaissent les étoiles“). Er wird allerdings von einem anderen Verehrer, Juan, gestört. Es kommt zum Zweikampf mit dem Degen, den Dulcinée durch ihr Erscheinen unterbricht. Sie ist entzückt über die ritterlichen Aufmerksamkeiten Don Quichottes und tadelt Juan wegen seines Neides. Don Quichotte bietet ihr ein Schloss an. Dulcinée wünscht sich aber von ihm ein Perlencollier, das der Räuber Ténébrun ihr geraubt hatte.
Zweiter Akt
Auf freiem Feld erscheinen Don Quichotte und Sancho Panza auf ihren Reittieren. Don Quichotte ist dabei, ein Liebesgedicht zu schreiben. Sancho Panza hält mit einer langen Tirade über den Sinn und Zweck ihres Unternehmens dagegen („Comment peut-on penser du bien de ces coquines?“). Der Nebel verflüchtigt sich, und eine Reihe von Windmühlen erscheint, die Don Quichotte für Riesen hält. Zum Erschrecken Sancho Panzas attackiert er die erste Windmühle, wird von einem ihrer Flügel erfasst und in die Luft gehoben.
Dritter Akt
Am Abend ist Don Quichotte der Meinung, dass sie bald die Banditen finden würden. Sancho Panza legt sich schlafen, während Don Quichotte Wache hält. Die Räuber nähern sich, und nach einem kurzen Kampf nehmen sie Don Quichotte gefangen, während es Sancho Panza gelingt, zu fliehen. Die Räuber sind erstaunt über den alten Mann, der sich so in die Gefahr begibt, und wollen ihn umbringen. Don Quichottes Gebet („Seigneur, reçois mon âme, elle n’est pas méchante“) weckt aber das Mitleid von Ténébrun, ihrem Anführer. Quichotte erklärt seine Mission („Je suis le chevalier errant“), und das Collier wird ihm zurückgegeben. Die Räuber bitten beim Abschied Quichottes sogar um seinen Segen.
Vierter Akt
Dulcinée versucht sich bei Festivitäten zu vergnügen, aber weder Musik noch Tanz können ihre Melancholie vertreiben („Lorsque le temps d’amour a fui“). Sie singt ein Lied und begleitet sich zur Gitarre („Ne pensons qu’au plaisir d’aimer“). Als alles sich zum Dîner zurückziehen will, erscheinen Don Quichotte und Sancho Panza. Sancho bittet um eine Belohnung von seinem Herrn, der ihm eine Insel und verschiedene Reichtümer verspricht. Unter dem Applaus der Menge gibt Don Quichotte Dulcinée ihr Collier zurück. Als er jedoch um ihre Hand anhält, brechen die Zuschauer in Gelächter aus. Dulcinée hat Mitleid mit Don Quichotte und bittet ihre Gesellschaft, sie allein zu lassen. Sie erklärt Quichotte, dass sich ihr Schicksal und ihre Lebensweise von der des Chevaliers unterscheiden, küsst ihn auf die Stirn und geht. Die Gesellschaft kommt wieder, um sich über den alten Mann lustig zu machen. Sancho Panza verteidigt Don Quichottes Ehre („Riez, allez, riez du pauvre idéologue“) und nimmt seinen Herrn mit in die Ferne.
Fünfter Akt
In einer sternklaren Nacht liegt Don Quichotte im Sterben. Er nimmt von Sancho Panza Abschied und erinnert sich daran, dass er ihm eine Insel zur Belohnung versprochen hatte. Er verspricht ihm eine Insel der Träume („Prends cette île“). Als der Tod naht, hebt er die Augen zu einem bestimmten Stern, der auf sie herunter leuchtet, hört zum letzten Mal Dulcinées Stimme und scheidet aus dem Leben.